Samstag, 23. August 2014

23.08.2014 Abreise aus Tallinn

Das war es nun leider schon wieder: die paar Tage in Tallinn sind vorüber. Mein Gepäck ist eingecheckt, das Fahrrad auch. 21,8 kg hat die Waage für das Gepäck angezeigt - das Fahrrad 17,8 kg. Dazu kommt noch mein Handgepäck, da sicher sich noch 8kg wiegt. Also alles ganz knapp am zulässigen Limit. Dabei habe ich am Flughafen noch den alten Reifen demontiert, um mehr Platz und weniger Gewicht zu haben. Das also war die Masse, die ich mehr oder weniger drei Wochen am Rollen gehalten hatte.
Gestern Abend war ich noch einmal im Rathaus zum Kammerkonzert - mit einigen von den Musikern von gestern. Danach in dem coolen Pub Hell Hunt. Der war rappelvoll, die Musik gut. Hatte dort eine nette Hamburgerin kennengelernt, die jetzt sechs Wochen in Riga gelebt hatte. War ganz nett - das nächste Bier gab's dann wieder im Jazz Club, der zum Freitag Abend auch wesentlich voller war als gestern. Eine halbe Stunde nach Mitternacht war ich dann trotzdem wieder im Hotel. Ich wollte ja um sieben früh wieder frühstücken und dann los zum Fischmarkt. Der war dann aber eher enttäuschend. Von dort bin ich zu den Wasserflugzeughallen geschlendert, hab mir ein paar alte Schiffe angesehen und bin zum Abschied noch einmal in die Innenstadt in eines der ältesten Cafés der Stadt. Und im Haus der Gilde war ich dann sogar noch im Museum. Da waren ein paar interessante Exponate von den Aleuten. (Wo sind die denn bloß? ) - aber auch viel Historisches von Estland, das sehr schön, multimedial und kinderfreundlich aufbereitet war.
Das war also meine erste Estlandreise. Estland und Lettland kann ich nur noch einmal allen neugierigen und naturbegeisterten empfehlen, die was neues kennenlernen wollen, einsame Strände lieben, gern Essen und Trinken gehen.
Preiswert, freundliche Menschen - alles ausgesprochen europäisch. Gut entwickelter Tourismus. Fahrrad, Wohnmobil, Zelt sollte man vielleicht dabei haben. Nebenstraßen sind manchmal nicht asphaltiert - das kann anstrengend werden - andererseits entschädigt die Natur und Ursprünglichkeit dafür. Litauen mit schönen Ferienhäusern direkt ganz nah am Wasser kann auch mal eine gute Alternative zum Ostseeurlaub zu Hause oder zum Nordseeurlaub sein. Und die besten Verbindungen sind dann wohl doch die Fähren nach Klaipeda, Windau, Riga oder Tallin. Memel - Riga - Tallin mit dem Rad empfehle ich allen Abenteurern unbedingt - oder Teilstrecken davon. Ich hatte im Prinzip Glück mit dem Wetter. Bis auf die letzte Woche immer herrlich warmes Sommerwetter und Regen eigentlich nur als endliche Schauer. Die lassen sich mit Goretex gut überstehen.

Freitag, 22. August 2014

22.08.2014 Tallinn, nachmittags

Wieder mehr Regen, als der Wetterbericht gezeigt hat. Dabei war es bis zum Mittag schön...
War noch beim Friseur, dann Kaffee trinken und in den Bastionstunneln. Jetzt warte ich, bis der wolkenbruchartige Regen eine Pause macht.

Donnerstag, 21. August 2014

22.08.2014 Tallinn


Gestern war ein ruhiger entspannter Tag. Morgens bin ich durch die Stadt gebummelt, nach zehn Uhr dann auf den Turm der Olavskirche. Eine tolle Aussicht, die für das Gedränge auf der schmalen Wendeltreppe entschädigte. Zum zweiten Frühstück gab's Kaffee und Kuchen gleich um die Ecke. Habe mir dann die zwei Wehrtürme Neitsitorn und Kiek in die Kök angeschaut. Oben im Café gab's dann bei der Aussicht auch einen Kaffee. Ich bin dann noch am Opernhaus vorbei spaziert, an dem Tor Viru Värav und auf dem Marktplatz bei zwei Bier versackt. Herrlich war dann das Kammerkonzert im Haus der Schwarzhäupterbruderschaft. Einige der besten estnischen Musiker spielten auf dem Flügel. Dazu gab es Gesang, Trompeter, Klarinette und herrliche Stücke für Cello und Violine. War ein wunderbares Konzert. Und weil es zu schön um war, um gleich in das Hotel zu fahren, habe ich mich noch für den Jazz Clubs entschieden. Ein DJ hat aufgelegt, coole Musik - später wurde dazu Saxofon gespielt und gesungen. Und kurz nach Mitternacht war ich dann trotzdem in Hotel.

Mittwoch, 20. August 2014

20.08.2014 Tallinn


Was für eine herrliche Stadt! Ja: hier muss man mal für ein langes Wochenende her. Niedlich wie Prag - aber auch noch an der Ostsee gelegen. Und unendlich viel zu sehen - sehr fotogen. Leider hab ich nur die kleine Exilim-Knipse mit - und mein Handy. Nachdem am Nachmittag der Regen aufgehört hatte, bin ich in die Stadt gebummelt. In einem schönen Gewölbekeller gab es panierten Käse mit Preiselbeeren und ... Bier. Danach noch bissel bummeln, die Heiliggeistkirche ansehen (sehr interessant und schön), dann zur Tourist-Information. Zum Café in der Stadtmauer und dann zu einem herrlichen Orgelkonzert in der schönen Domkirche zu St. Marien. Überwiegend Musik von Komponisten aus der Zeit bis 1920 - schien teilweise sehr modern - oder auch wie Debussy. Und dabei war viel Zeit, sich die Kirche anzusehen. Alles immer noch sehr Deutsch. Reval hieß die Stadt früher auf deutsch. Auch die Schriften an der Kanzel: Deutsch.
Zu Abend aß ich dann auf dem inzwischen sehr kühlen Rathausplatz: Canneloni mit ... Bier. Und danach war ich noch in der "Trojka" auf ein Bier. Der Kellner war total unfreundlich - dabei ist die Kneipe so schön eingerichtet. Eine Russin sang und spielte auf der Gitarre, dann kamen zweimal drei Grazien reingetobt und tanzten wie der Wirbelwind russische oder ukrainische Tänze. Viel zu kurz eigentlich - das war schön anzusehen. Und jetzt: Bett. Fertig

20.08.2014 47km (2264km) Tallinn

Angekommen in Tallinn. Im Jugendcamp hatte ich herrlich und lange geschlafen. Acht Uhr gab es ein üppiges Frühstück für vier Euro. Das war richtig klasse. Die Jugendlichen durften noch bis neun Uhr schlafen.
Nach dem Frühstück fuhr ich gleich los - bißchen frisch war es an dem Morgen. Ich erreichte bald Kaila-Joa, wo der große Wasserfall ist. Das war dann auch das einzige Highlight heute bisher. Noch vor 13 Uhr kam ich im Hotel an.  Mein Hotelzimmer liegt zur Seite der Bahngleise. Schade. Auch etwas laut. Aber auch hier will ich ja nur schlafen. Draußen regnet es gerade, sodass ich die Zeit gut mit ausgiebigem Duschen verbracht habe. Bin neugierig, was mich in Tallinn erwartet. Die letzten 20km bis in die Stadt waren auf einem herrlichen Radweg, der fast durchgehend mit Straßenlaternen ausgestattet war.

19.08.2014 124km (2217km) Kloogaranna

Nach einem Kaffee und veganem Porridge im Café des Hauses hatte ich den Morgen genutzt, mir Haapsalu etwas näher anzuschauen. Ja- eine niedliche Stadt mit Flair, einem mondänen Kurhaus, aber auch mit einfachen Holzhäusern, die teilweise noch ganze Straßenzüge ausmachen. Eine schöne Promenade und die herrliche Bischofsburg. An der Promenade ist nicht direkt das offene Meer wie in unseren Kurorten. Man sieht viel Schilf, viele Wasservögel - und einen tollen Aussichtsturm gibt es auch. Die coolen Kneipe könnte ich dann ja leider doch nicht nochmal besuchen - ich fuhr gegen 10.30 Uhr los. Der Wind blies wieder recht heftig aus südwestlicher Richtung - gut für mich. Ich kam wieder gut voran. Erstmal ging es eine ganze Weile an der Hauptstraße lang. Nach einigen Kilometern ging es wieder Richtung Meer. Die Straße war dann auch gleich viel ruhiger. Schließlich ging es auf Schotter weiter und dann in den Wald. Plötzlich stand keine zehn Meter vor mir eine Elchkuh. Sie guckte, ich guckte - dann gab sie Gas. Die Hufe drehten auf dem Stück Asphalt durch - und weg war sie. Dann kam ein wunderbares Stück auf einer schmalen Schotterpiste, die stellenweise auch mal mit Asphalt wechselte. Immer durch recht lichten Nadelwald, dessen Boden mit Blaubeeren, Heidekraut und Flechten bedeckt war. Alle paar Meter kamen Bänke zum Rasten - und dann ein besonders schöner Picknickplatz. Mit Schutzhütte, Grill, Müllkübeln, einem Holzvorrat zur Verwendung. Wenn der später gekommen wäre,  hätte ich die Nacht dort verbracht. So war ich aber kaum 25km oder so gefahren. Als ich wieder auf der Hauptstraße war, nieselte es kurz. Ich hatte mir dennoch die Goretexjacke angezogen. Bei Alliklepa machte ich eine Pause am menschenleeren Strand. Das Stück war zwar wenig sandig - dafür toben die Wellen. Und über mir jagten die Wolken irre schnell am Himmel. An einem kleinen Stück, wo sich zwei Seen vom Meer abgetrennt haben, waren wahnsinnig viele Vögel.
Das nächste Highlight war die Klosterruine in Padise. Das Hotel hatte heute eine geschlossene Veranstaltung - sodass ich kein Zimmer bekam. Ich war kaum in der Ruine, als wieder mal ein extremer Regenguss einsetzte. Da hatte ich dieses mal richtig Glück. Ich radelte noch einen Kilometer, dann gab es in einem kleinen Café an der Straße Schnitzel mit Pommes und Bier. So gestärkt, ging es weiter mit dem Wind nach Madise, wo ich die Kirche betrachtete. Ja und von dort auf einer hässlichen Straße mit vielen Lkws bis hierher. Den Wasserfall habe ich nicht richtig gefunden.

Montag, 18. August 2014

18.08.2014 204km (2092km) Haapsalu

Was für ein Tag! Erstmal hatte ich im Blockhaus herrlich geschlafen. Ich war bevor es richtig Nacht wurde noch einmal auf dem Zeltplatz der zum Grundstück gehörte, um mit dem französischen Pärchen zu quatschen. Die beiden sind in letzter Zeit auch viel gereist: Georgien, Armenien, Island, Laos, ... in Estland sind sie aus Litauen und Lettland mit dem Bus angereist. Sie hatten mich noch auf ein Bier eingeladen - gegessen hatte ich ja schon mehr als genug und sehr lecker. Trotzdem War es mir da draußen dann zu kalt - es hatte dann nicht mehr aufgehört zu regnen. Als ich nach einem guten Frühstück und dem begleichen meiner Rechnung (26€) losfuhr, war das Wetter eine ganze zeitlang gut. Ich hatte mich beeilt, um elf Uhr an der Fähre nach Hiiumaa zu sein. Laut Reiseführer hätte sie 11.30 Uhr fahren sollen. Da war aber nur eine abgesperrte Fähre verankert. Und es hatte sich noch angefangen zu nieseln und heftigerer Wind kam auf. Ich fuhr noch einmal zurück ins Dorf und fragte im Tante-Emmaladen nach der Abfahrtszeit, da der Plan am Hafen nicht interpretierbar war. Die große Verkäuferin meinte, 12.30 Uhr wäre die  Abfahrt. Ich versuchte es noch einmal - wieder 4km zurück. Diesmal war wenigsten der Schalter besetzt. Nur die Auskunft War negativ: wegen des Windes fährt die Fähre heute nicht. Vielleicht morgen. Es gab also keine andere Alternative, als nach Virtsu zurück und damit 100km Umweg. Und dazu setzte auch noch nicht mehr aufhörender Regen ein. Ich radelte dann trotzdem Richtung Fähre nach Virtsu. Immer im Nieselregen. Bis dahin war das sogar noch ganz akzeptabel. Die Landschaft blieb schön und der Regen erträglich. An der Fähre traf ich dann ein österreichisches Pärchen. Da war dann ein regelrechter Wolkenbruch, dem ich nicht entgehen konnte, da ich die Fähre schaffen wollte. Mein Ziel war Lihula - 25km entfernt - das einzige Hotel laut meinem Reiseführer. Auf der anderen Seite wartete ich im Bistro auf besseres Wetter: bei Soljanka und Kaffee. Die kurze Regenpause war trügerisch: es schiffte wieder alles herunter, was der Himmel hergab. Ich war pitsche-patsche nass - bis auf obenrum, wo ich das Goretex trug. Das totale Fiasko war, daß es in Lihula kein Hotel mehr gab. Und wir und breit auch keines. Ich entschied mich spontan, es bis Haapsula zu versuchen. So kamen dann 204km zusammen. Die letzten 1,5 Stunden blieb es trocken, als ich am Rande des Nationalparks radelte. Da war es auch wieder richtig schön. Und meine Kräfte haben locker bis in die City gereicht. Ich habe eine nette kleine Pension für 25€. Schöne Zimmer, beheizter Spiegel im Bad. Ein Handtüchertrockner, der vom Warmwasser beheizt wird. Was will ich mehr.  Und Haapsalu ist eine coole Stadt. Richtig schön. Herrliche Kneipen. War eine große Pizza essen. Jetzt trinke ich noch ein Bier in einer herrlichen russischen Kneipe mit viel Stil. Ein alter Bischofssitz ist anzusehen. Toll. Ich fahre bestimmt nicht sooo fruh morgen ab... genug gekämpft heute.