
Die nordöstliche Ecke Polens war für mich die schönste. Malburk, Fromburk und schöne Radwege am Wasser entlang oder auf stillen Nebenstraßen. Keine Ostseetouristen im Kaufrausch.Ich war ohne Frühstück kurz nach sieben Uhr losgekommen. Nur mit googlemaps war ich heute unterwegs - wozu so ein Smartphone gut ist... Trotzdem hatte ich mich am Morgen nach etwa 6km auf einer stillen Nebenstraße verfahren. Zum Glück habe ich das nach einem Kilometer gemerkt und konnte aus der Sackgasse früh genug zurückfahren. Die Gegend ist voller Wasserarme, sodass viele Straßen und Feldwege im Nichts enden. Weil ja jedes Dorf immer noch seinen Tante-Emma-Laden oder Dorfkonsum hat, kaufte ich mir irgendwo paar Brötchen und eine Ecke Brot, die ich später am Fluss (der Nogat, die von Malburk kommt) zu mir nahm. Ich radelte großteils stille Straßen bis zum Mittag in Tolkmicko, wo ich ein günstiges Mittagsmenü mit Kartoffelerbsensuppe und Beefsteak mit Dillkartoffeln bekam. Der Seglerhafen im Ort war gar nicht sehenswert - eigentlich gar nichts. In dieser Gegend ging es furchtbar bergauf und bergab - da habe ich richtig gekämpft. Zu dem Zeitpunkt hätte ich nicht erwartet, dass ich es heute noch bis Russland schaffe. Fromburk war noch sehr sehenswert - mit seinem Turm und dem Focaultschen Pendel, von dem man einen atemberaubenden Blick über die Kathedrale und das Meer hatte.
Der Weg bis zur Grenze war dann nicht mehr weit - und bis zur Grenze sah es überall ordentlich aus. Polen hat sehr von der EU profitiert. Den Leuten geht es nicht schlechter, als in Mecklenburg oder im Erzgebirge. Und was für tolle Häuser die Polen sich leisten können: Giebelchen, Balkone, Erker, verwinkelt und verspielt - und fast immer mit Doppelgarage dran - das kann der Normalbürger in Deutschland so nicht bauen. Soll den Polen aber gegönnt sein. Leider klafft auch da eine große Lücke zwischen reich und arm.
Von der Grenzpassage an, die völlig problemlos war, konnte mich das Ziel Königsberg enorm motivieren. So raste ich mit streckenweise (auf ewig schnurgerader Straße) fast 30km/h schnell zum Ziel. Gegen 21 Uhr kam ich in der Stadt an. Ich fand, es war sehr früh dunkel. Bin ja auch ganz schön weit im Osten. Das macht schon paar Minuten aus - und wir haben ja auch schon bald Mitte August.
Mein Hotel sieht von außen sehr schnieke aus, sodass ich fast nicht nach dem Preis fragen wollte. Das Gostiniza ¨Kaliningrad¨ kostet so um die 50 Euro die Nacht - ohne Frühstück. Da war die Suche sehr einfach. Der erste Eindruck der Stadt war: heruntergekommen, schäbig, schmutzig, vergammelt. Selbst die Leninstrasse ist bei weitem nicht repräsentativ. An deren Ende steht mein Hotel.


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